Zygmunt und Prälat Jan Gnatowski

von "Die Gnatowskis. Die Geschichte einer masowischen Familie" auf Alfred von der Lehr
ISBN-Nr: 3-00-005311-5

Während Pawel Gnatowski sich während Zygmunts Abwesenheit und auch später nach dessen Tod um Jakimowka kümmerte, scheint er Zakopane entweder gar nicht besucht zu haben oder es sind darüber keine Unterlagen erhalten geblieben. Doch neben Zygmunt Gnatowski taucht noch ein weiterer Vertreter der Familie Gnatowski auf, den wir schon kennen: der Prälat Jan Gnatowski.

Dieser hat Ende Juli 1894 nicht nur das Haus Koliba eingeweiht, sondern gleichzeitig auch die Trauungszeremonie seiner Nichte Janina Lewandowski mit Antoni Helzel durchgeführt. "Nach einer feierlichen Messe und der Segnung des Hauses segnete das junge Paar mit herzlichen Worten der Onkel der Braut Jan Gnatowski.1)."

Jan Gnatowski vollzog sicher nicht zufällig die Segnung des Koliba-Hauses, sondern stand zweifelsohne in engem verwandtschaftlichen Verhältnis zum Bauherrn Zygmunt Gnatowski. Und da er als Onkel der Braut angesprochen wird, muß die Mutter der Braut seine Schwester gewesen sein, denn sonst hätte die Nichte auch Gnatowski geheißen.

Weiter wird über diesen Vorgang noch berichtet: "Auf die Initiative von Herrn Lewandowski, zur Erinnerung an das Ereignis haben die Familien Lewandowski, Gnatowski und Helzel einen Alter in der Kirche des Heiligen Jan Zakopane gespendet. Die Kirche, der Altar und Koliba sind im selben Zakopane-Stil gebaut2)."

Damit wurde die Kirche von Zakopane fast schon eine Familienkirche, denn Zygmunt hatte nicht nur den Bau der Kirche unterstützt, nunmehr erhielt die Kirche auch einen Altar zum Andenken an diese Heirat. Später, im Jahr 1900 weihte Jan Gnatowski auch die Kapelle ein die Zygmunt in der Kirche hatte bauen lassen. Genaueres geht aus den Ausführungen von Frau Jablonska, bzw. Den Unterlagen des Museumsarchivs leider nicht hervor3).

Erhalten ist dagegen ein interessanter Brief des Prälaten Kaszelewski, in dem dieser eine Bitte von Jan Gnatowski weitergibt, über Weihnachten zu seinem Bruder (!) nach Zakopane reisen zu dürfen:

Kaszelewski m  "An das hochwürdige, Fürstlich-Bischöfliche Konsistorium in Krakau!

Im vergangenen Jahr wurde dem Prälat Jan Gnatowski, dem Gymnasiastkatecheten aus Lwow (Lemberg) genehmigt, einen Weihnachtsgottesdienst im Haus seines kranken Bruders, Zygmunt Gnatowski in Zakopane, abzuhalten. Der hier Unterzeichnende erlaubt sich diese Bitte zur gnädigen Berücksichtigung zu unterbreiten, wobei er erwähnen darf, daß Herr Zygmunt Gnatowski vor Kurzem an Brustfellentzündung schwer erkrankte, infolge derer er die Kirche noch nicht besuchen kann. Der vom Bruder abgehaltene Weihnachtsgottesdienst wäre für den Kranken ein großer Trost. Er hat während seiner Krankheit mehrmals das heilige Sakrament empfangen und vor Jahren hat er eine Kapelle in der hiesigen Kirche auf eigene Kosten errichtet, was beweist, daß er ein gläubiger Mensch ist.

Zakopane, 15. Dezember 1902
Unterschrift: K. Kraszelewski, Pfarrer"4)

Demnach waren Jan und Zygmunt Gnatowski Brüder! Von Jan Gnatowski wissen wir ja, daß er in Skarzynowka geboren wurde (vgl. "Prälat Jan Gnatowski"). Auch zu diesem Ort findet sich im "Geographischen Wörterbuch für das Königreich Polen und andere slawische Länder" ein Artikel:

"Skarzynowka, irrtümlich auch Skarzenowka genannt, ein Dorf am Fluss Kublicz, einem Nebenfluß von Sob; Kreis Hajsynski, Polizeiberzirk Teplik, Gemeinde Krasnopolka; katholische Pfarrgemeinde und Gericht in Granow (20 Wersten entfernt ), 27 Wersten von Jajsynow, 100 Wersten von Balty entfernt, umfaßt 81 Siedlungen, 754 Einwohner; 609 Dessjatinen Eigentumsgrund der orthodoxen Pfarrkirche.5).

Die orthodoxe St. Michaels-Pfarrkirche, erbaut 1785, Pfarrgemeinde zählt 989 Personen. Hier befinden sich die 1850 gegründete, 13 Personen beschäftigende Brennerei, 1886/7 wurden 1.013.370 st.6) Spiritus hergestellt, zwei Wassermühlen, Schwazerde. Skarzynowka gehörte den Familien Czartoryskis, Opackis und heute Gnatowskis.7)"

Möglicherweise war auch Zygmunt Gnatowski hier geboren worden. Nebenbei erwähnenswert ist der Hinweis, daß sowohl in Skarzynowka als auch in Jakimowka Schnaps gebrannt worden ist. Ein wesentlicher Teil das Wohlstands dieses Zweiges der Familie Gnatowski dürfte also aus dem Alkoholbrennen stammen, denn selbst unter der Annahme, das Kürzel st. stüde nur für etwas mehr als einen Liter, handelt es sich doch um eine Jahresproduktion von deutlich über einer Million Liter Spiritus! Vermutlich dürfte es sich um Wodka gehandelt haben.

Da Jan Gnatowski das geistliche Amt anstrebte und Jakimowka Zygmunt gehörte, ist die Frage, wer Eigentümer von Skarzynowka war. (CONNECTION FOUND: see notes for January Boleslaw Gnatowski - owner of Skarzynowka) Entweder gehörte das Gut ebenfalls Zygmunt oder aber einem anderen Bruder bzw. Einem anderen Familienmitglied. Dies bringt uns zur Frage nach der Filiation von Zygmunt Gnatowski.


Jablonska, S. 52

Jablonska, S. 52

Jablonska, S. 112

Quelle: XXXII Die Bitte des Prälaten K. Kaszelewski um Erteilung einer Genehmigung zum Abhalten eines Gottesdienstes im Haus der Familie Gnatowski, APZ i Krakau, L: 553.

Anm. der Übers.: Werst: russ. Längenmaß, ca. 1km.

Anm. der Übers.: dieses Kürzel kann entweder von "sztof" = 1,229 Liter, oder von "stagiew" / Krug = 200 Liter stammen.

Słownik Geograficznz Krolestwa Polskiego i innych krajów słowianskich (Das Geographische Wörterbuch für das Königreich Polen und andere slawische Länder), Warszawa 1889, S. 658