Waleria Gnatowska - Primaballerina des Großen Theater in Warschau

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Eine nicht minder berühmte Persönlichkeit der jüngeren Geschichte als die eben genannten Herren, war Waleria Gnatowska. Sie hat die Theaterlaufbahn eingeschlagen und bezauberte als Tänzerin ihr Publikum. Dem Biographischen Wörterbuch des Polnischen Theaters entnehmen wir folgenden Lebenslauf:

"Gnatowska Waleria, verh. Suzin (14.04.1883 – 17.02.1974 Warszawa/Warschau), Tänzerin. Tochter von Stanislaw Gnatowski und Agnieszka geborene Kowalska, Ehefrau von Bronislaw Suzin (Eheschließung 24.07.1922)."

1899 hat sie die Warschauer Ballettschule abgeschlossen und wurde im Ballettensemble des Großen Theaters engagiert; seit 10.02.1901 ernannt zur Koryphäe, um 1905 die zweite Solistin. Die wichtigeren Rollen: 1905 tanzte sie die Puppe-Spanierin (Wieszczka Lalek/Puppenwahrsagerin), 1908 die Aurora (Przebudzenie sie Flory/Floras Erwachen) und Aktea (Eunice). Am 09.06.1910 debütierte sie ohne Erfolg als Schauspielerin in der Rolle der Kamilla (Zolnierz krolowej Madagaskaru/Der Soldat der Könign von Madagaskar) auf der Bühne des Neuen Theaters.

Anfang 1911 wurde sie im Ballets Russes von S. Diagilew engagiert. 1912 - 1922 war sie wiederholt als Ballettsolistin in Warschau tätig und trat sowohl auf der Bühne des Großen Theaters als auch in mehreren Operetten im Theater der Novität auf. Sie gehörte damals den meistgeschätzten Tänzerinnen an, trug den Titel der Primaballerina; man lobte ihre “außergewöhnliche Leichtigkeit und ihr Temperament sowie die einnehmenden szenischen Qualitäten und den angeborenen Charme” (J. Czempinski).

T. Wysocka zitierte die Rezension der Uraufführung von "Szeherezada/Scheherazade" (10.03.1913; Gnatowska tanzte die Zobeida), in der ein Berichterstatter des "Morgenkurier" sie als "Heldin des Abends" gepriesen hat, "die im Tanz und mimischen Spiel eine Bildhaftigkeit, abwechslungsreiche Technik und Eleganz entwickelt hat". Sie trat auch in den Warschauer Kabaretten auf: Dolina Szwajcarska (Schweizertal) 1916, Sfinks (Sphinx) 1919, Miraz (Mirage) 1921, gastierte im Großen Theater in Posen (06.10.1920 im Zart Amora/Amors Scherz, im Herbst 1921 u.a. als Swanilda in Copella), wie auch z.B. in Deutschland (1917, 1918), in Frankreich (1919), England (1920).

Nach der Eheschließung 1922 zog sie sich zurück. Auf der Liste des Verbandes der Polnischen Schauspieler 1923 wurde sie als "außerfiliale Tänzerin" registriert. Sie war eine sehr begabte Tänzerin. Sie fühlte sich am besten in jenen Rollen, die ihr die schauspielerisch-tänzerischen Darbietungen ermöglichten. Sie tanzte u.a. die Teresa (Postoj kawalerii/Die Rast der Kavallerie), die Kleopatra (Noc Walpurgi/Walpurgisnacht), Imos (Hellada i Polonia/Hellada und Polonia), Ksiezniczka/Prinzessin (in Kleopatra). Nach 1945 (noch im Jahre 1951) gab sie privat den Tanzunterricht. 1915 spielte sie im polnischen Film "Zona/Ehefrau"[1].

Über diese biographischen Angaben hinaus sind einige Fotos erhalten geblieben, die Waleria Gnatowska in tänzerischen Posen und Rollen zeigen. Für die freundliche Unterstützung bei der Recherche und der Überlassung der Fotos möchte ich dem geschäftsführenden Leiter des Theatermuseums in Warschau, Herrn Dr. Andrzej Kuczynski herzlich danken. Ein historisches Foto des Theaters, in dem sich heute nicht nur das Theatermuseum befindet, sondern das auch die Hauptwirkstätte von Waleria Gnatowska war, ist nebenan abgebildet.

FUßNOTEN

  1. [^]Słownik Biograficzny Teatru Polskiego, t. II PWN Warszawa, 1994, S. 227. Für die Übersetzung danke ich Frau Bozena Mazur, Nürnberg.

REFERENZEN

  • von der Lehr, Alfred. Die Gnatowskis. Die Geschichte einer masowischen Familie. Fürth : Selbstverlag 2000. ISBN-Nr: 3-00-005311-5