Gnatowski, Jan, vom Wappen Lada, 1780-1831, Kapitän beim polnischen Militär, Organisator eines Widerstandskomitees in Borysow.

Ganz sicher war er der Sohn von Thomas Gnatowski, der in Duby in Wolhynien Güter besaß. Nach dem Einmarsch Napoleons in Polen reiste er nach Warschau und bewarb sich zur leichten Gardekavallerie. Er nahm als Oberleutnant an der Kampagne gegen Österreich im Jahre 1809 teil. Anfang des Jahres 1810 brach er mit seinem Regiment nach Spanien auf, wo er Helfer von Kapitän Rostworowski war. Er kehrte nach Warschau zurück und organisierte ein Rekrutierungsbüro. Am 06.04.1811 nominiert er als Kapitän des zweiten Regiments der Weichselulanen, die in Sedan organisiert waren. Dieses Regiment nennt sich jetzt das achte Regiment Französisch-Polnischer Ulanen. In diesem Regiment leitete er als Kapitän die Geschäfte. Er nahm teil an den Kampagnen 1812 und 1813. Im Jahre 1814 war Gnatowski als Zahlmeister bei dem Brigadegeneral Krasinski. Nach der Abdankung Napoleons nahm er seinen Abschied und kehrte nach Polen zurück.

Da er nicht auf seine Familiengüter zurückkehren konnte, flüchtete er auf die Güter des Fürsten Radziwill, wo er als Verwalter auf dem Gut "Borysowszczyznie" in der Nähe der Stadt Borysow tätig war. Er gab sich viel Mühe und investierte viel Arbeit in dieses Gut. Vor allem schützte er die Güter vor Willkürmaßnahmen der Stadtverwaltung in Borysow. Mit seiner Frau Josefa gründete er dort ein Zentrum polnischer Kultur.

Aufgrund von Nachrichten vom 20.12.1830, daß in Warschau ein Widerstand organisiert wird, gründete er mit seiner Frau und weiteren neun Personen ein Widerstandskomitee, an dessen Spitze er sich setzte. Zu diesem Komitee gehörten auch mehrere Gutsbesitzer aus der Umgebung. Das Komitee sammelte Waffen, Munition und verbreitete Mundpropaganda. Später nahmen sie über Gabriela Czapski Kontakt zum Widerstandskreis Oschmianz und anderen Kreisen auf. Durch eine Denunziation wurde man auf ihn aufmerksam und die russische Polizei führte eine Razzia durch. Man konnte ihm nicht beweisen , daß er eine Konspiration betrieben hatte, auch konnte man die Waffen und das Munitionslager nicht finden.

Trotzdem wurde Gnatowski zur weiteren Vernehmung nach Petersburg verbracht. Während des Verhörs und der Folter hat er niemanden verraten und starb dort an den Verhören. Erst nach seinem Tode im Jahre 1831 entdeckten die russischen Behörden das Magazin mit den Waffen und der Munition. Die Verdächtigten schoben nun alle Schuld auf Gnatowski und erhielten dadurch nur eine kleine Strafe und polizeiliche Überwachung[1].

Fußnote

  1. [^] Autor dieses Artikels in Polski Slownik Biograficzny ist Jan Pachonski. Zu dieser Periode der polnischen Geschichte vgl. auch: Polen, Ein geschichtliches Panorama, Warszawa 1983, S. 91 ff. Dieses Werk ist, wie der Herausgeber schreibt, als ein "erster Beitrag ... für die geschichtliche Reihe "Panorama der polnischen Geschichte. Fakten und Mythen", anzusehen, d.h. als Zyklus von Essays zur polnischen Geschichte, geschrieben von hervorragenden polnischen Historikern, die ... das Weiterwirken dieser Ereignisse im Bewusstsein des Volkes und in der polnischen Kultur darstellen." Es ist aber für das Verständnis der Motivation von Jan und Anton Gnatowski durchaus hilfreich, dem geschichtlichen Hintergrund aus einer eher nationalen Perspektive zu ergänzen.

Einzelnachweise

  • von der Lehr, Alfred. Die Gnatowskis. Die Geschichte einer masowischen Familie. Fürth : Selbstverlag 2000. ISBN-Nr: 3-00-005311-5