von "Die Gnatowskis. Die Geschichte einer masowischen Familie" auf Alfred von der Lehr
ISBN-Nr: 3-00-005311-5

Gnatowski, Antoni, geb. 1863 als Sohn des Dominik in Wilna, adliger Abstammung, polnischer Revolutionär1).

Er besuchte mit Abschluß die Eisenbahnschule in Wilna. Er nahm am organisierten Revolutionär-Kreis von Appelberg teil und wurde 1882 verhaftet. Nach Verbüßung einer Strafe stand er bis 1885 unter polizeilicher Überwachung. In den Jahren 1886 bis 1887 war er Aktivist im politischen Kreis "Narodnaja Wolja" unter Leitung des Spitzenfunktionärs Dembo.

Im Auftrag von A. J. Ulianow2) (Alexander Iljitsch Uljanow) traf er sich im Jahre 1887 mit M. Kanczer, B. Pilsudski und T. Passkowski um ein Sprengstoffattentant auf den Zar vorzubereiten. Nach dem Anschlag am 1. März 1887 floh er aus Angst vor einer Verhaftung am 4. März 1887 ins Ausland.

In den Jahren 1888 bis 1889 hielt er sich in der Schweiz und zwar in Genf und Zürich unter dem Namen Prekker auf. In Zürich installierte er zusammen mit einer Gruppe um Dembo ein Labor für Sprengstoff. Unter dem Einfluß von A. Gnatowski und seinen Freunden haben die russischen Organisationsgruppen "Rosyjska Czytelnia" und "Kasa Samopomocowa" eine revolutionäre Richtung genommen.

Am 06.03.1889 explodierte bei einer der Arbeiten im Labor eine Bombe. Hierbei wurde Dembo getötet. Die von der russischen Regierung in den Jahren 1887 und 1889 bis 1890 durchgeführten Nachforschungen ergaben, daß Gnatowski an dem Attentat auf den Zar im März des Jahres 1887 teilgenommen hat und sich in der Schweiz in Zürich befindet. Beide Nachforschungen wurden jedoch bis zu einer Verhaftung unterbrochen. Ab dem Jahre 1890 war Gnatowski unter ständiger Beschattung von Auslandsagenten der russischen Geheimpolizei3).

Nach seiner Zwangsaussiedelung aus der Schweiz reiste Gnatowski nach Paris. Dort arbeitete er auch weiterhin mit Sprengstoff. Im Jahre 1897 kam es zum engen Kontakt zu Burzew und zur Teilnahme an der Arbeit im russischen Revolutionskomitee. Antoni Gnatowski wurde Mitglied dieses Komitees und betätigte sich im Ausland. Er war auch einer der Redakteure der Zeitschrift "Russkij Robocij". Im Jahre 1901 versuchte Gnatowski J. Rubanowicz, L. Szyszko, J. Nachamski, N. Rusanow - er war Mitglied des Spezial-komitees - mit der Aufgabe zu betrauen, alle Revolutions-gruppen, die im Ausland tätig waren, zu koordinieren. Das Todesdatum von Gnatowski ist unbekannt.


Das Scheitern des sog. Polnischen Aufstands im Geburtsjahr des zukünftigen Revolutionärs kennzeichnet bereits den Stern, unter dem sein weiteres Leben stand. Vgl. Dazu dtv-Atlas zur Weltgeschichte, Bd. 2, München 1976 (11. Auflage), S. 51 und S. 69. Vgl. Wiederum: Polen, Ein geschichtliches Panorama,Warszawa 1983, hier: S. 102 ff. Zum Geburtsort Wilna vgl. Die Hinweise in Abschnitt 1. und 2.3. Vgl. Auch den Bericht über die Verhandlungen von Andreas Gnadcovius: Kapitel 3.

Bei A. J. Ulianow dürfte es sich um Wladimir Iljitsch Lenins Bruder Alexander handeln, der 1887 hingerichtet wurde.

Die 1881 gegründete "Ochrana", d.h. politische Polizei verfügte über ein ausgedehntes Netz von Agenten und Denunzianten. Ähnlich wie ihre jüngeren Nachfolger, etwa die sog. "Stasi", beschränkte sie sich nicht nur auf das Ausspionieren des eigenen Volkes, sondern nutzte ihr Wissen zur Agitation und Propaganda. Vgl. dtv-Atlas zur Weltgeschichte, Bd. 2, München 1976 (11. Auflage), S. 111.